Gleich nachdem die neuen und seit Kriegsende überholten Richtlinien des Deutschen Sportabzeichens verabschiedet und in Kraft getreten waren, machte sich Horst Löffelbein, seit mehr als sechs Jahrzehnten Mitglied des VfL Lichtenrade, ans Werk, um zum ersten Mal die Bedingungen zu erfüllen. Inzwischen hat er sie zum 50. Mal geschafft. ?Es hätten durchaus auch zehn mehr sein können?, sagt der Urberliner, ?wenn ich nicht zwischen 1952 und 1961 eine längere Pause eingelegt hätte, weil ich damals das Gefühl hatte, die Anforderungen seien zu leicht für mich.?
Erst als der frühere Basketballspieler merkte, dass es ihm, dem inzwischen 30-Jährigen, schwerer fiel, mit den Jüngeren Schritt zu halten, beschloss er, doch sportlich etwas mehr als bisher zu tun, zumal der Sportplatz Halker Zeile nur einen guten Steinwurf von seinem Häuschen entfernt lag. ?Hochsprung und Kugelstoßen bildeten überhaupt kein Problem?, meinte der rüstige Rentner. Nur die 5000 Meter mochte er nicht. ?Sie waren eine Horrorgeschichte für mich.? Deshalb versuchte er, diese Disziplin durch das Radfahren ersetzen. Und erlebte dabei einen schlimmen Reinfall, als er im Sommer 1962 versuchte, wieder das Sportabzeichen zu erwerben.
Frohgemut hatte sich der gelernte Chemie-Ingenieur mit seinem Drahtesel (?ohne Gangschaltung?) von Lichtenrade aus zum S-Bahnhof Heerstraße aufgemacht, von wo aus die 20-k-Strecke zurückgelegt werden sollte. Doch schon bald nach dem Start waren seine Mitstreiter, die besser ausgerüstet und vorbereitet schienen, aus seinem Blickfeld entschwunden, so dass er sich allein über den Hüttenweg zum Wendepunkt nach Wannsee begeben musste. Erschöpft dann wieder am Ausgangspunkt angelangt, musste er frustriert feststellen, dass die Zeitnehmer längst ihre Sachen gepackt und nach Hause gegangen waren. So entschloss er sich dann, verstärkt das Laufen zu trainieren, was ihm nach und nach auch immer mehr Freude bereitete, und schaffte Ende Oktober, zum letztmöglichen Termin des Jahres, noch die geforderte Zeit über 5000 m.
Durch die diversen Wald-, Cross- und Volksläufe, die er, angeregt durch die Trimm-dich-Bewegung in den siebziger Jahren, bestritten hat, konnte er seine Kondition immer mehr verbessern, so dass ihm selbst heute die für seine Altersklasse vorgesehene 1000-m-Zeit keinerlei Schwierigkeiten bereitet. Und dennoch bestand im letzten Jahr ein Fragezeichen hinter seinem Vorhaben. Horst Löffelbein musste sich nämlich im Februar einer Operation im linken Knie unterziehen und sich ein neues Gelenk einsetzen lassen, so dass er erst relativ spät wieder mit dem Training beginnen konnte. Aber es klappte ? und im September schaffte er zum 50. Mal in Serie das Sportabzeichen.
Derzeit hält er sich auch auf seinem Fahrradergometer und mit den vier Kilo schweren Hanteln fit, um einen neuen Anlauf zu unternehmen. Und sollte es nicht klappen, so wird er wie bisher als Prüfer zur Verfügung stehen, wenn andere die Bedingungen für das Sportabzeichen erfüllen wollen.
Seine Leistungen beim ersten und beim 50. Mal:
1952: 300 m Schwimmen 7:50 Minuten, Hochsprung 1,36 m, 100 m 13,4 Sekunden, Kugelstoßen 8,07 m und 5000 m 20:39 Minuten
2010: 200 m Schwimmen 7:23 Minuten, Hochsprung 0,80 m, 1000 m Laufen 7:07 Minuten, Kugelstoßen 7,22 m und 1000 m Schwimmen 42:50 Minuten.